GIS-Funktionalitäten in naturschutzfachlichen
Planungs- und Managementaufgaben

Anwendungsbeispiel Kompensationsflächenmanagement
Brandenburg an der Havel

Eva Henze

Diplomarbeit im Studiengang Landschaftsplanung 
an der TU-Berlin, 
Juli 2000    

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Zusammenfassung

Den Schwerpunkt der Diplomarbeit bildet die Konzeption eines GIS-basierten Kompensationsflächenmanagements für die Stadt Brandenburg an der Havel. Im Vordergrund steht dabei die Identifikation von aus naturschutzfachlicher Sicht vorrangig geeigneten Kompensationsflächen im Gebiet der kreisfreien Stadt. Zusätzlich werden den geeigneten Flächen umfangreiche Merkmale aus vorhandenen digitalen Daten zugewiesen. Die Zusammenstellung dieser Informationen soll im konkreten Eingriffsfall die Untere Naturschutzbehörde der Stadt dazu befähigen, Flächen für eine Kompensation mit räumlich-funktionalem Bezug zu den durch den Eingriff verursachten Beeinträchtigungen vorzuschlagen.

Geografische Informationssysteme bieten die Möglichkeit auf bestehende Daten und Planungen zurückzugreifen und durch die räumliche Analyse eines Landschaftsausschnitts beispielsweise geeignete Kompensationsflächen zu identifizieren. Der wesentliche Vorteil der digitalen Vorgehensweise liegt darin, dass analytische Verfahren sehr rasch auf eine große Fläche und eine große Datenmenge angewendet werden können. Für die Stadt Brandenburg konnte durch den auf GIS-basis erstellten Landschaftsplan, auf eine umfassende nutzbare Datengrundlage zurückgegriffen werden. Damit war die Ableitung vorrangig geeigneter Kompensationsflächen über mehrstufige Analysen auf einer breiten Datenbasis in dieser Form überhaupt erst möglich. Für die integrativen Aspekte des Konzeptes stellten sich dabei die klassischen GIS-Methoden wie Flächenverschneidung und Pufferberechnung als ausreichend zu Analyse heraus.

Problemstellung

Entsprechend dem Vorsorge- und Verursacherprinzip soll die Eingriffsregelung nach dem Naturschutzgesetz bei raumbezogenen Vorhaben dafür sorgen, dass Beeinträchtigungen von Natur und Landschaft verhindert, möglichst gering gehalten und sofern dies unvermeidbar ist zumindest weitgehend kompensiert werden. Die Durchsetzung dieser Vorgaben wird seit Bestehen der gesetzlichen Regelung von Vollzugsdefiziten unterschiedlicher Art geprägt und kann damit der eigentlichen Intention, der Erhaltung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes, nur schwer gerecht werden. Ein Mangel dabei ist die Auswahl von Flächen für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen nur anhand ihrer Verfügbarkeit, wodurch ein Flickwerk zumeist kleiner Kompensationsflächen entsteht, deren Wirksamkeit aus naturschutzfachlicher Sicht fragwürdig ist.

Dieser Problematik wird in jüngster Zeit vielerorts durch eine Vorbereitung der Eingriffsregelung auf konzeptioneller Ebene begegnet. Die Suche nach für Ausgleich und Ersatz geeigneten Flächen beschränkt sich dabei nicht mehr nur auf einzelne Vorhaben, sondern wird für einen größeren Raum beispielsweise auf kommunaler Ebene vorstrukturiert. Geeignete Flächen die für Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen verfügbar sind werden bei solchen Initiativen in sogenannten Flächenpools gebündelt. Insbesondere den Schwierigkeiten, die sich bisher aus der mangelnden Verfügbarkeit geeigneter Flächen ergeben haben, soll durch ein vorausschauendes kommunales Flächenmanagement entgegnet werden. Gleichzeitig kann eine stärker zielgerichtete Ausrichtung der Eingriffsregelung innerhalb eines Gesamtkonzeptes Vorteile zur Entwicklung von Natur und Landschaft bewirken und eine verbesserte Umsetzung landschaftspflegerischer Zielsetzungen veranlassen.

Grundlage zur Zusammenstellung von Kompensationsflächenpools ist ein naturschutzfachliches Konzept, welches Flächen identifiziert, die zur Durchführung von Kompensationsmaßnahmen geeignet sind. Die Identifikation besonders geeigneter Flächen für Kompensationsmaßnahmen, bedarf der genauen Untersuchung eines größeren Raumes, beispielsweise einer Gemeinde oder eines Landkreises. So stehen vielfältige Nutzungen oder Planungsabsichten in Konkurrenz zu Maßnahmen zur Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und des Landschaftsbildes, wie sie die Eingriffsregelung einfordert. Gleichzeitig müssen die Flächen den gesetzlich verankerten Anforderungen an funktionsgerechte Kompensation gerecht werden.

Geografische Informationssysteme (GIS) bieten mit ihren Möglichkeiten zur Erfassung, Verwaltung, Analyse und Präsentation raumbezogener Daten geeignete Werkzeuge für eine solche komplexe Flächenanalyse. Mit ihren umfassenden Funktionen zur Analyse raumbezogener Daten ermöglichen sie eine integrative Auswertung unterschiedlicher Flächenmerkmale und -einheiten. Sie unterstützen dabei die effektive Nutzung bestehender Datenbestände die einen Landschaftsraum beschreiben.

Ziel der Arbeit

Diese Arbeit stellt ein GIS-basiertes Kompensationsflächenmanagement für die Stadt Brandenburg an der Havel vor. Ziel dabei ist es für die kreisfreie Stadt über die rein digitale Auswertung bestehender umfangreicher raumbezogener Daten vorrangig geeignete Flächen zur Kompensation im Rahmen der Eingriffsregelung zu identifizieren. Gleichzeitig wird die spezielle Eignung der Flächen aufgrund des standörtlichen Ausgangspotenzials und der Lage im Raum herausgearbeitet.
Die Analyse des Raumes beruht schwerpunktmäßig auf einer Auswertung der digitalen Daten des Landschaftsplans, der einerseits eine Bewertung der schutzgutbezogenen Grundlagendaten und Biotoptypen ermöglicht und zusätzlich in der landschaftsplanerischen Entwicklungskonzeption besonders aufwertungsbedürftige Flächen für den Planungsraum darstellt. 

Mit der GIS-basierten Vorgehensweise soll das Potenzial bereits erhobener Daten der Stadt Brandenburg genutzt werden und die Verwendung analytischer Funktionen von Geografischen Informationssystemen in naturschutzfachlichen Planungsaufgaben gezeigt werden.

Die Ergebnisse der Flächensuche sollen der städtischen Verwaltung insbesondere der Unteren Naturschutzbehörde Brandenburgs an der Havel dazu dienen, aus einer Zusammenstellung von Kompensationsflächen jeweils zur Kompensation von Beeinträchtigungen konkreter Eingriffe geeignete Flächen zu ermitteln. Das Flächenangebot wird in einem GIS mit den geometrischen Daten zu den Flächen und umfangreichen Sachdaten zu den Merkmalen der Flächenstandorte vorgehalten, wodurch der Behörde ein schneller Zugriff auf für bestimmte Vorhaben geeignete Ausgleichs- und Ersatzflächen möglich wird. Eine Selektion soll dabei die speziellen Kompensationsflächen filtern die im geforderten räumlich-funktionalen Zusammenhang zu den Beeinträchtigungen des Vorhabens stehen. Zusätzlich soll die Datenvorhaltung im GIS die Verwaltung dazu befähigen, die gewonnenen Informationen dynamisch weiter zu nutzen, um die Eingriffsregelung auch im Bezug auf die erfolgreiche Durchführung der Maßnahmen, ihre Kontrolle und die langfristige Sicherung der Kompensationsflächen zu steuern.

Gliederung

Im ersten Abschnitt der Arbeit werden die Möglichkeiten, die Geografische Informationssysteme, insbesondere im Bezug auf die Analyse raumbezogener Daten bieten, zusammengefasst dargestellt. Die grundlegenden Funktionalitäten, die ein GIS vorhält, werden dabei anhand der Anwendungsmöglichkeiten bei naturschutzfachlichen Planungs- und Managementaufgaben erklärt. Zusätzlich werden die Vorteile, die ein solches System im Bezug auf naturschutzfachliche und planerische Aufgaben bietet, zusammengestellt. 

Im Anwendungsteil werden einleitend die gesetzlichen Anforderungen, die sich aus der Eingriffsregelung im Zusammenhang mit der konzeptionellen Vorbereitung ergeben, dargestellt. Dabei werden die Anforderungen an Flächen und Maßnahmen zur Kompensation, wie sie die Eingriffsregelung nach dem Bundesnaturschutzgesetz bzw. dem Brandenburger Landesgesetz fordert als Grundlage für eine Kompensations-flächenkonzeption erläutert. Zur Veranschaulichung des Zusammenhangs werden anschließend die Ausprägungen von Flächenpoolprojekten insbesondere in ihrer Ausgestaltung im Land Brandenburg vorgestellt. Zusätzlich werden die Schnittstellen von Eingriffsregelung und Landschaftsplanung erörtert, weil sich das vorliegende Kompensationskonzept schwerpunktmäßig aus den Aussagen der Landschaftsplanung für die Stadt Brandenburg ableitet.
Die langfristige Kontrolle von Kompensationsmaßnahmen wird im Land Brandenburg über ein zentrales Informationssystem gewährleistet. Die Bedeutung solcher Verwaltungs- und Überwachungsmöglichkeiten wird kurz erläutert, um die Nutzungsmöglichkeiten der Daten für geeignete Kompensationsflächen, nach dem in dieser Arbeit aufgestellten Konzept, darzustellen.

Den Schwerpunkt der Ausführungen bildet eine Flächenanalyse, in der vorrangig geeignete Kompensationsmaßnahmen identifiziert und ihre fachliche Eignung herausgearbeitet wird. Innerhalb des vorliegenden Konzeptes werden Kompensationsflächen in einem zweistufigen Verfahren ermittelt. Eine Negativuntersuchung wählt zunächst alle nicht geeigneten Flächen aus. Aus der Umkehrung dieser Auswahl werden anschließend in der Positivuntersuchung vorrangig geeignete Flächen herausgefiltert. Bei dieser Auswahl werden aufwertungsfähige Flächen aus der landschaftsplanerischen Entwicklungskonzeption sowie Flächen aus dem Biotopverbund begünstigt. Nach der Identifikation der Flächen für Ausgleich und Ersatz werden deren standörtliche Merkmale aus den vorhandenen Datenebenen zusammengestellt, um eine den Grundsätzen der Eingriffsregelung entsprechende Zuordnung zu Eingriffsvorhaben zu ermöglichen und gleichzeitig eine Datengrundlage zur konkreten Maßnahmenplanung auf den Flächen vorlegen zu können.
Die vorrangig geeigneten Kompensationsflächen werden im GIS mit umfangreichen Merkmalen in der Sachdatenbank vorgehalten. Dadurch ist es möglich, über gezielte Abfragen für konkrete Eingriffe geeignete Flächen zu selektieren. Der Ablauf einer solchen Abfrage wird exemplarisch dargestellt.


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